Zentrum für Infektionsprävention (ZIP) - Hub für Grundlagenforschung
Das Zentrum für Infektionsprävention (ZIP) dient als Hub für die Pionierforschung in der Phagenbiologie. Eine Aufgabe des ZIP ist es, die molekularen Mechanismen aufzuklären, die der durch Phagen induzierten Hemmung von Bakterien zugrunde liegen. Parallel dazu widmet sich das ZIP der Umsetzung dieser wissenschaftlichen Erkenntnisse in praktische Therapien, indem es die Grundlagenforschung vorantreibt und innovative, skalierbare und klinisch optimierte Verabreichungslösungen entwickelt.
Prof. Dr. med. Dietmar Zehn, Executive Director ZIP und Direktor BayPha

“An der TUM stehen wir für eine einzigartige Innovationskultur, die an der Schnittstelle zwischen Grundlagenforschung und translationaler Anwendung lebt. Das Bayerische Kompetenzzentrum für Phagentherapie (BayPha) verkörpert diesen Geist perfekt: Es vereint Exzellenz in Miktobiologie, Immunologie, Data Science und klinische Forschung, um die nächste Generation individueller Präzisionstherapien zu entwickeln.
Als Executive Director des Zentrums für Infektionsprävention (ZIP) ist es meine Mission, ein Umfeld zu schaffen, in dem interdisziplinäre Zusammenarbeit Innovation und wissenschaftliche Exzellenz in der Infektionsforschung vorantreibt. ZIP bietet eine Umgebung, das fortschrittliche Forschungsinfrastruktur, modernste Technologieplattformen und starke wissenschaftliche sowie klinische Partnerschaften integriert - ein ideales Umfeld für Initiativen wie BayPha, um Entdeckungen und deren Translation zu beschleunigen.
Gemeinsam bilden ZIP und BayPha eine starke Allianz: Fundamentales wissenschaftliches Verständnis trifft klinische Innovation. Durch die Kombination der Stärke der TUM in der Grundlagenforschung und translationalen Medizin mit dem Fokus von BayPha auf phagenbasierte Therapeutika schaffen wir die Grundlage für nachhaltige Strategien zur Infektionsprävention und -behandlung, die für die Herausforderungen der zukünftigen Gesundheitsversorgung ausgelegt sind.
Unsere Vision is klar: Spitzenforschung zur Infektionsbekämpfung in praxisnahe Lösungen umzuwandeln, die die menschliche Gesundheit schützen."
Bayerisches Kompetenzzentrum für Phagentherapie (BayPha) - Brückenschlag zwischen Forschung und klinischer Praxis
Während das ZIP mit der wissenschaftlichen Grundlagenforschung den Grundstein legt, fungiert das Bayerische Kompetenzzentrum für Phagen Therapie (BayPha) als klinisches Gegenstück, das sich der Umsetzung der Phagenforschung in reale, greifbare therapeutische Lösungen widmet.
Unser Ziel ist die Identifizierung, Optimierung und Bereitstellung hochspezifischer Phagen für die Behandlung multiresistenter Infektionen im klinischen Umfeld.
"Als Phagenbiologin ist es meine Vision, die Lücke zwischen modernster Phagenforschung und klinischer Phagentherapie zu schließen, um lebensbedrohliche, multiresistente bakterielle Infektionen zu heilen. Mein Labor verfolgt einen integrativen Ansatz, der Einzelzelltechnologien, kulturunabhängige Methoden, Multi-Omics und naschinelles Lernen kombiniert, um die komplexen Mechanismen der Phagen-Wirt-Interaktionen und deren Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit zu entschlüsseln.
Bei BayPha leite ich unsere Mission, diese wissenschaftlichen Erkenntnisse in lebensrettende Behandlungen für Patientinnen und Patienten mit antibiotikaresistenten Infektionen umzusetzen. Wir bauen ein umfassendes Ökosystem auf, dass die gesamte therapeutische Pipeline abdeckt: von unserer kurarierten Phagenbank, die ESKAPE-Pathogene und WHO-Prioritätsbakterien adressiert, über die personalisierte Phagenanpassung und -isolierung für individuelle Patientinnen und Patienten bis hin zu unserer geplanten GMP-Produktionsstätte vor Ort, die strenge klinische Studien und eine schnelle therapeutische Bereitstellung ermöglicht.
Meine Vision ist klar: Von individuellen Heilungen zur klinischen Validierung: die Evidenzbasis für die zukünftige Phagentherapie als neue Generation antimikrobieller Therapie schaffen. Indem wir rigorose Forschung mit einer patientenzentrierten klinischen Anwendung vereinen, wollen wir die Phagentherapie nicht als letzte Option, sondern als validierte, zugängliche Behandlungsform etablieren, die Hoffnung gibt, wenn Antibiotika nicht mehr helfen können."
Prof. Dr. Li Deng, Direktor BayPha

Klinische Anwendung
Die Phagentherapie ist ein hochgradig zielgerichteter Behandlungsansatz zur Bekämpfung bakterieller Infektionen, insbesondere solcher, die durch antibiotikaresistente Erreger verursacht werden. Sie kommt in Deutschland aktuell häufig als individueller Heilversuch zum Einsatz, wenn etablierte Antibiotikabehandlungen ausgeschöpft sind oder nicht mehr wirken. Das Prinzip ist präzise und personalisiert: Für jeden Patienten wird der krankheitsverursachende Bakterienstamm isoliert. Anschließend wird in einer umfassenden Phagenbank gezielt nach denjenigen Phagen gesucht, die genau diesen Stamm wirksam bekämpfen. Diese Empfindlichkeitsprüfung, auch Phagogramm genannt, stellt sicher, dass eine maßgeschneiderte und hochspezifische Behandlung für den Patienten entwickelt wird.
Nach der Identifizierung wirksamer Phagen können diese als patientenspezifisches Arzneimittel, eine sogenannte Magistralrezeptur, aufbereitet werden. BayPha überbrückt hierbei die Lücke zwischen Grundlagenforschung und klinischer Anwendung, indem wir den gesamten Prozess – von der Phagen-Identifizierung und -Charakterisierung bis zur Bereitstellung für die Therapie – unterstützen. Die Anwendung der Phagenpräparation kann je nach Infektionsort unterschiedlich erfolgen, zum Beispiel lokal auf Wunden, oral oder als Aerosol. Unser übergeordnetes Ziel ist es, auf Basis dieser personalisierten Ansätze die Phagentherapie durch klinische Studien wissenschaftlich zu validieren und als etablierte, sichere Behandlungsoption für eine breitere Patientengruppe zugänglich zu machen.